TransGender-Personen
werden zumeist aufgrund ihrer besonderen Beziehung zu Göttinnen und Göttern,
ihrer Aufgaben bei Ritualen und ihrer Qualitäten beim Tanzen und Singen gewürdigt.
Die klassischen Schamanen Sibiriens waren ebenso selbstverständlich Cross-Dresser
wie sich eine Reihe indischer Heiliger über die Geschlechtsgrenzen hinwegsetzten.
So
gut wie alle menschlichen Kulturen kennen Geschlechtswechsel und Androgynität,
auch wenn dieses Wissen - wie in der westeuropäischen Tradition - in den
Bereich der Mythologie abgedrängt wurde.
Nach Jahrhunderten erbitterter Verfolgung aller, die sich den Geschlechtsrollen nicht unterwerfen, müssen wir heute mit einem seltsamen Bild von TransGender-Personen leben. Es spiegelt viel mehr die Homophobie der Gesellschaft als die Charakteristika von TransGenders wieder. Schließlich hat erst 1910 Magnus Hirschfeld erkannt, dass viele Männer, die im Schutz schwuler Etablisments Frauenkleidung anzogen, gar kein Interesse am Sex mit Männern hatten.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hat sich Transsexualität als medizinisch-psychiatrisches Projekt entwickelt. Die Forschung konzentrierte sich auf die Fragen ob, wann und wie die Körper von TransGender-Personen behandelt werden sollen. Dabei ignorierte sie die Problematik der sozialen Positionierung und Integration von TransGenders fast vollständig. So haben wir nach wie vor kein Recht unsere Geschlechtsposition selbst zu bestimmen, sondern nur bei anhaltend "zwanghaften Vorstellungen" Anspruch auf ärztliche Unterstützung, einen Geschlechtswechsel vornehmen zu können.
Infolgedessen
werden heute TransGender-Personen nur nach dem Grad ihrer Krankhaftigkeit klassifiziert.
Die folgenden Seiten spiegeln die Entwicklung dieser Klassifikation wieder. Ausgehend von den Pionierarbeiten von Harry Benjamin geben wir hier international anerkannte Definitionen verschiedener Ausprägung von Geschlechtsidentitätsstörung wieder.