Inhalt

Allgemeines

Was sind Hormone?

Behandlung bei Trans* Personen

Risikofaktoren und Risikoscreening

Blutbefund und Hormonstatus

Knochendichtemessung

Darreichungsformen

Tabletten

Pflaster und Gel

Injektionen und Implantate

Auswirkungen der Behandlung

Bei Transfrauen

Bei Transmännern

Endokrinologie (Hormonmedizin)

Kontakt zur TS Ambulanz des AKH Wien

Literatur

Hormonbehandlung

Achtung, diese Seite dient zur Information für alle Interessierten und ist kein Ersatz für eine fachärztliche Betreuung!

Allgemeines

Der Beginn der Hormoneinnahme kann den Beginn eines "neuen" Lebens darstellen, aus dem es keinen Weg mehr zurück gibt.

Mögliche Bedenken und Perspektiven sollten abgeklärt werden, bevor irreversible körperliche Veränderungen wie das Brustwachstum bei Transfrauen oder der Bartwuchs bei Transmännern einsetzen. Für den Beginn einer von den Krankenka ssen unterstützten Hormontherapie wird daher eine kontinuierliche psychotherapeutische Begleitung und psychiatrische Begutachtung vorausgesetzt.

Oft besteht der Wunsch, schon vor der offiziellen Hormonfreigabe mit der Einnahme von Hormonen zu beginnen oder die psychologisch-psychiatrische Maschinerie überhaupt zu verweigern. Die Hormoneinnahme sollte jedoch keinesfalls ohne ärztliche Begleitung erfolgen. Vertrauenswürdige Hausärzte sind oft bereit, zu den unbedingt nötigen medizinischen Untersuchungen zu überweisen, die Risikofaktoren mit dem/der PatientIn abzuwägen und entsprechende Rezepte auszustellen.

Wir warnen vor Mitteln aus dem Internet, dem Fitnessstudio oder aus der Kräuterapotheke. Im besten Fall kosten sie nur Geld, im schlimmsten Fall schaden sie der Gesundheit. Also, Finger weg von allen Produkten deren Herkunft, Zusammensetzung und Wirkung du nicht genau kennst.

Die wesentlichen Fragen, die vor Beginn einer Hormontherapie abgeklärt werden sollten, können sie Endokrinologinnen und Hausärzte ebenso wenig beantworten wie der Psychiater:

  • Bist du bereit, auf deine Sexualität - so wie du sie bisher kennst - zu verzichten? Freilich kannst du auch später Sexualität genießen, aber du solltest damit rechnen, dass zumindest in der Umstellungsphase nichts mehr so läuft wie vorher!
  • Bist du bereit, Partnerschaften aufzugeben und deine Beziehungen umzustellen?
  • Bist du bereit, deine Arbeit zu verlieren? Es ist heute zwar längst nicht mehr so, dass alle Trans* Personen während des Geschlechtswechsels ihre Arbeit verlieren, aber es kommt leider noch oft genug vor - insbesondere dann, wenn körperliche Veränderungen einsetzen, das neue Geschlecht aber nicht durchgehend verkörpert wird. Denn abgesehen von den emotionalen Schwankungen kommt man, spätestens wenn der Bart sprießt oder die Brüste anschwellen, schnell in einen Erklärungsnotstand. Dann helfen oft nicht nur die Dienstgeber, sondern auch die "lieben" Kollegen, ein Verbleiben in der Firma unmöglich zu machen.

Wenn du jetzt denkst "Um Himmels willen, so weit möchte ich ja gar nicht gehen, ich möchte ja nur ein bisschen nehmen.", dann ist dies möglicherweise der falsche Weg für dich. Denn Hormone sind Medikamente, die in der Biochemie des Körpers ganz schön umrühren und zu nachhaltigen Veränderungen führen können.

Was sind Hormone?

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Hormone sind Botenstoffe, die von bestimmten Organen im Körper ausgesendet werden um in anderen bestimmte Wirkungen auszulösen. Sie haben in unseren Körper vielschichtige Aufgaben zu erfüllen und ohne Hormone würden wir nicht "funktionieren". Nicht nur physisch, sondern auch psychisch sind wir von Hormonen abhängig.

Hormone werden über die Blutbahn überall im Körpers verbreitet, ihre Wirkung soll aber auf bestimmte Gewebe beschränkt sein. Dazu bilden die Zellen unseres Körpers gewebespezifische Rezeptoren (Empfänger) aus, an die sich bestimmte Hormone binden und so ihre Wirkung entfalten. Oft werden durch die Bindung von Hormonen an die Rezeptoren vom betroffenen Gewebe wiederum andere Hormone ausgeschüttet und damit ganze Regelkreise gebildet.

Ein Beispiel dafür ist unser Zuckerspiegel im Blut. Ist der zu gering, so wird von der Bauchspeicheldrüse ein Hormon ausgeschüttet, das unter anderem ein Hungergefühl auslöst. Essen wir dann etwas steigt unser Blutzuckerspiegel wieder an und die Bauchspeicheldrüse sendet ein anderes Hormon aus das uns einerseits signalisiert, dass wir satt sind und andererseits dafür sorgt, dass der überschüssige Zucker in Form von Fett "eingelagert" wird.

In Wirklichkeit funktioniert das nicht ganz so einfach. Es gibt da noch eine Fülle anderer Faktoren, die da Einfluss nehmen. Zwischenkreise, Vorstufenhormone, ...

Es ist eine Wissenschaft, die Endokrinologie heißt.

Hormonbehandlung bei Trans* Personen

Wenn wir von Hormonen sprechen, meinen wir die Sexualhormone: Östrogene und Testosterone. Diese Hormone sind hauptsächlich für die Geschlechtsentwicklung verantwortlich. Sie kommen jeweils bei beiden Geschlechtern, allerdings in unterschiedlicher Menge vor.

Von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) werden mehrere Hormone produziert, die in den Keimdrüsen, also den Hoden oder Eierstöcken, spezifische Sexualhormone produzieren. Sind genügend Sexualhormone vorhanden, reduziert die Hypophyse die Hormonproduktion, was wiederum auch die Produktion in den Keimdrüsen verringert. Dieser Regelkreis wird auch in der gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung genutzt.

Das weibliche Hormon Östrogen ist in seinem Aufbau dem männlichen Hormon Testosteron sehr ähnlich, und deshalb akzeptieren die Hirnanhangdrüsen beider Geschlechter auch beide Hormone als Signale für den Regelkreis. Werden von außen genügend Hormone zugeführt, egal ob Östrogen oder Testosteron, drosselt die Hirnanhangdrüse ihre Produktion, und damit werden auch in den Keimdrüsen weniger beziehungsweise keine Sexualhormone produziert.

Führt man nun dem männlichen Körper Östrogen in ausreichender Menge zu, wird die Testosteronproduktion der Hoden stark vermindert und es kommt zu einer verweiblichenden (feminisierenden) Wirkung. Dieser Prozess setzt bereits nach wenigen Wochen ein und kann mehrere Jahre andauern. Beim weiblichen Körper bewirkt die Zufuhr von Testosteron eine Vermännlichung (Virilisierung). Es kommt zu so etwas Ähnlichem wie einer zweiten Pubertät.

Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich, nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch ganz individuell. Zu Beginn einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung kann es zu allen möglichen "Unpässlichkeiten" kommen. Zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, starkes Kältegefühl. Erhöhte Leberwerte und Blutfettwerte können genauso vorkommen wie Gemütsschwankungen und vieles mehr. Die meisten dieser Symptome verschwinden aber genauso rasch wie sie gekommen sind und könnten mit einer geringeren Dosierung vermieden werden.

Risikofaktoren und Risikoscreening

Die Hormonbehandlung birgt, wie jede über einen langen Zeitraum erfolgende Einnahme von Medikamenten, auch gesundheitliche Risken. Deshalb ist es wichtig, vor Beginn einer Hormonbehandlung ein Risikoscreening vornehmen zu lassen. Es besteht aus einer Befragung zur groben Abklärung von Risikofaktoren und einem ausführlichen Blutbefund, zu dem auch ein kompletter Hormonstatus gehört, der die geschlechtsspezifischen Hormone beider Geschlechter erfasst.

Besonders wichtig sind die Leberwerte und die Werte zur Abklärung des Thromboserisikos. Nimm keine Pillen, bevor du weißt, dass deine Leber und deine Nieren ausreichend belastbar sind! Die Leber wird durch den Abbau der Hormone besonders stark belastet.

Risikofaktoren sind:

  • Alter über 40 Jahre
  • Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum
  • Krampfadern (Thrombosenrisiko)
  • Erkrankung innerer Organe (insbesondere Leber und Niere)
  • Regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente

Die Ergebnisse des Screenings sind für die behandelnde Ärztin wichtig, denn nur dadurch erhält sie die nötige Behandlungssicherheit. Wenn sie Risikofaktoren erkennt wird sie ihre Behandlung durch Anpassungen in der Dosierung und Verabreichungsform darauf einstellen. Nur äußerst selten wird wegen einer bestimmten Grunderkrankung von einer Behandlung abgeraten. In fast allen Fällen ist eine Behandlung bis ins hohe Alter möglich. Das Risikoscreening sollte jedenfalls etwa im Abstand von zwei Jahren regelmäßig wiederholt werden.

Eine Hormonbehandlung birgt jedoch nicht nur Risken, sondern auch Chancen für ein besseres Leben. Die Hormone bringen längerfristig nicht nur ein wesentlich besseres Körpergefühl, sondern können auch Krankheiten, die durch die Verdrängung des transsexuellen Wunsches und das Unbehagen im eigenen Körper entstanden sind, bessern oder heilen. Eine positivere Lebenseinstellung kann eben viel bewirken.

Blutbefund und Hormonstatus

Die Werte der wichtigsten Sexualhormone
Hormon TS-Frauen TS-Männer
Dehydroepiandrosteron (DHEAS) 0,5-4 ug/ml 0,5-5 ug/ml
Luteotrophes Hormon (LH) 0,1-10 mU/ml 1-9 mU/ml
Follikelstimulierendes Hormon (FSH)  1-10 mU/ml 1-8 mU/ml
Östradiol (E2N) 50-200 pg/ml 5-35 pg/ml
Bioverfügbares Östradiol (BAE) 25-100 pg/ml unbekannt
Progesteron (PROG) 0,1-1,5 ng/ml 0,1-1 ng/ml
Testosteron (T) 0,1-1 ng/ml 5-15 ng/ml
Bioverfügbares Testosteron (BAT) 0-0,15 ng/ml 1-3 ng/ml
SHBG 20-100 nmol/l 10-60 nmol/l
Referenzwerte für die Hormontherapie von Transsexuellen
wie sie uns (ohne Gewähr) von Experten genannt wurden.

Um die Wirkung und Veränderung der Hormontherapie einschätzen zu können ist ein Hormonstatus vor Beginn der Therapie, im "nüchternen" Zustand notwendig.

Die Referenzwerte, die bei jedem Hormonstatus für Männer bzw. Frauen mitgeliefert werden, gelten nicht für Transsexuelle. Die Hormonwerte schwanken auch bei Frauen im Laufe des Zyklus sehr stark und verändern sich in den Wechseljahren. Auch bei Männern gibt es altersbedingt große Unterschiede. Aufgrund der zyklusbedingten Schwankungen der Hormonwerte bei Frauen sollten junge Transmänner den Hormonstatus an besten zu Beginn der Menstruation messen.

Die nebenstehende Tabelle gibt Orientierungswerte für Transsexuelle wieder. Wenn einige Deine Werte außerhalb der Bandbreiten liegen, ist das kein Grund über Deinen Gesundheitszustand oder Dein Wohlbefinden besorgt zu sein. Wenn fast alle Werte extrem atypisch sind kannst Du über eine Änderung der Dosierung nachdenken. Besprich das im Detail mit Deiner Endokrinologin.

Kritisch ist nur, wenn bei Post-OP Transfrauen die Östradiol-Werte länger zu tief liegen. Dann besteht Österoporose-Gefahr.

Zur Ermittlung des Hormonstatus werden folgende Werte bestimmt:

Thyreotropin (TSH): Hormon des Hypophysenvorderlappens, regt die Schilddrüse zu vermehrter Hormonproduktion an.

Freies Thyroxin (T4): Hormon der Schilddrüse, regelt die Produktion der Schilddrüsenhormone und beeinflusst die Entwicklung von Muskeln, Knochen und Gehirn.

Cortisol (CORTS): Hormon der Nebennierenrinde, regelt den Blutzuckerspiegel, beeinflusst die Knochenbildung, das Fettgewebe und den Eiweißstoffwechsel und die Produktion von Leukozyten, Erythrozyten und Blutplättchen. Ist ein wichtiges Stresshormon, und wird in Stresssituationen verstärkt ausgeschüttet.

Androstendion (ASON) : Hormon der Nebenniere und der Gonaden. Schwach wirksames Androgen. Vorstufe für Testosteron und Estron. Besonders wirksam bei Neugeborenen und in der Pubertät.

Dehydroepiandrosteron (DHEAS): Hormon der Nebenniere. Schwach wirksames Androgen. Vorstufe für Testosteron und Androstendion.

17-Hydroxy-Progesteron (17-OHP): Nebennierenhormon, Ausgangsstoff für die Androgensynthese. Besonders wirksam bei Neugeborenen und in der Pubertät.

Luteotrophes Hormon (LH): Hormon des Hypophysenvorderlappens. Fördert das Wachstum der männlichen und weiblichen Keimdrüsen und verstärkt und steuert deren Funktion.

Follikelstimulierendes Hormon (FSH): Hormon des Hypophysenvorderlappens. Fördert das Wachstum der männlichen und weiblichen Keimdrüsen und verstärkt und steuert deren Funktion.

Prolaktin (PRL): Hormon der Hypophyse. Kontrolliert die Entwicklung der Milchdrüse der Brust und stimuliert die Milchproduktion. Hohe Prolaktin-Spiegel führen zu Gewichtszunahme, Libido- bzw. Potenzverlust und bei Frauen zum Ausbleiben der Menstruation, Akne und vermehrtem männlichen Haarwuchs.

Somatotropes Hormon (STH): Hormon des Hypophysenvorderlappens. Wachstumshormon, steuert das Körperwachstum von Kindern. Bei Erwachsenen führt eine Erhöhung des STH-Spiegels zu Akromegalie (selektive Größenzunahme von Nase, Ohren, Kinn, Händen und Füßen und Verdauungsorganen, männlicher Körperbehaarung, Haarausfall, Ausbleiben der Menstruation, Potenzverlust, eventuell Zuckerkrankheit).

Östradiol (E2N): Hormon der Eierstöcke. Ist das biologisch aktivste Östrogen. Verantwortlich für die Entwicklung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale und, zusammen mit Progesteron, für die Steuerung des Zyklus. Sie wirken stärkend auf das Knochenwachstum und das Herz. Erhöhte Werte führen bei Männern zur Feminisierung (Brustentwicklung, Erhöhung der Hautelastizität, weibliches Haarwachstum, weibliche Fettverteilung)

Progesteron (PROG): Gelbkörperhormon. Hormon der Eierstöcke und der Nebennierenrinde. Bewirkt die Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut in ein drüsenreiches Gewebe, um die Einnistung eines befruchteten Eis vorzubereiten. Vorstufe für Östrogene und Testosteron.

Testosteron (T): Hormon der Keimdrüsen und der Nebennierenrinde. Fördert beim Mann die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale und dient der Aufrechterhaltung der Funktion der Prostata. Verantwortlich für die Spermienproduktion, fördert die Fettverbrennung und den Muskelaufbau, steigert die Libido. Erhöhte Werte führen bei Frauen zu Virilisierung.

Sexualhormon bindendes Globulin (SHBG): Wird in der Leber gebildet. Verantwortlich für den Transport der Androgene, vor allem des Testosterons, im Blut und hemmt dadurch ihre biologische Aktivität. Die Produktionsrate wird durch Östrogene weiter gesteigert und durch Androgene gesenkt.

Homocystein (HCYS): Entsteht im Körper beim Abbau von Eiweiß. Erhöhte Werte können zu Gefäßverengung, Gefäßverschlüssen, Impotenz, Grünem Star, Demenz, Fertilitätsstörungen und Missbildungen in der Schwangerschaft führen.

Knochendichtemessung

Diese Untersuchung dient der Einschätzung des Osteoporoserisikos. Bei der Osteoporose kommt es durch eine Störung des Knochenstoffwechsels zu einer Abnahme der Knochendichte. Sowohl Testosteron als auch Östrogene wirken sich positiv auf den Knochenstoffwechsel aus. Durch einen Hormonmangel kann es zu einer Abnahme der Knochendichte kommen.

Darreichungsformen

Tabletten

Die Einnahme ist einfach und weit verbreitet. Der Nachteil ist, das der Wirkstoff vom Darm erst durch die Leber geht und dort bereits zu einem großen Teil abgebaut wird, bevor er in das Blut gelangt. Dies belastet in erster Linie die Leber. Aber auch die vermehrten Abbauprodukte können zu Problemen führen. Deshalb wird ab einem Alter von etwa 40 Jahren davon abgeraten, Östrogene in Tablettenform zu sich zu nehmen und die Behandlung alternative Verabreichungsformen umgestellt. Für Testosteron kommen Tabletten aufgrund der Nebenwirkungen nicht in Betracht.

Pflaster

Die Anwendung ist recht einfach und der Wirkstoff geht durch die Haut direkt ins Blut. Die Belastung der Leber und anderer Organe ist gering. Ein Nachteil ist, es zu Hautirritationen kommen kann.

Gel

Wie bei den Pflastern geht der Wirkstoff direkt durch die Haut ins Blut. Die Belastung der Leber und anderer Organe ist gering. Ein Nachteil ist auch hier dass das Gel relativ großflächig in die Haut eingerieben werden muss. Zudem ist eine gleichmäßige Dosierung schwieriger. Auch wird die tägliche Prozedur des Einschmierens und minutenlangen Einwirkens von manchen als nicht sehr angenehm empfunden.

Injektionen

Dabei handelt es sich um Depotspritzen mit lang anhaltender Wirkung (3 Wochen bis 6 Monate). Die Belastung von Leber und anderen Organen ist gering. Die Spritze muss meist vom Arzt verabreicht werden, und verursacht in der Regel Schmerzen, die manchmal tagelang anhalten. Bei Transmännern bilden sich durch die Depotspritzen auch immer wieder schmerzhafte Abszesse. Der Wirkstoff bleibt über lange Zeit im Körper und kann nicht sofort abgesetzt werden kann, wenn es zu Problemen kommt.

Implantate

Sind nicht mehr verfügbar.

Auswirkungen der Hormonbehandlung

Bei Transfrauen

Effekte und Verlauf verweiblichender Hormonbehandlung
Wirkung Einsetzen Maximale Wirkung
Körperfettverteilung 3-6 Monate 2-5 Jahre
Sinkende Muskelmasse
und Kraft
3-6 Monate 1-2 Jahre
dosierungsabhängig
Weichere Haut,
weniger Hautfett
3-6 Monate unbekannt
Abnahme der Libido 1-3 Monate 1-2 Jahre
Ausbleiben
spontaner Erektionen
1-3 Monate 3-6 Monate
Impotenz unterschiedlich unterschiedlich
Brustwachstum 3-6 Monate 2-3 Jahre
Hodenschrumpfung 3-6 Monate 2-3 Jahre
Rückgängige
Spermienproduktion
unterschiedlich unterschiedlich
Verdünnung und
langsameres Wachstum
von Gesichts-
und Körperbehaarung
3-12 Monate > 3 Jahre
Hormone gewähren
kein Ausbleiben
des Haarwuchses
Männliche
Glatzenbildung
kein Nachwachsen
Haarverlust stoppt
nach 1-3 Monaten
1-2 Jahre

Quelle: WPATH, Standards of Care, Version 7, 2011

Als Anfangsdosis werden gelegentlich Dosierungen von 1-2 Milligramm Estradiol-Tabletten, 25-50 Mikrogramm Pflaster oder 1-2 Hübe Estradiol-Gel empfohlen.

Bereits nach wenigen Wochen kommt es zu den ersten gewollten Effekten, die Brustwarzen werden überempfindlich und die Brüste beginnen zu spannen.

Nach einigen Monaten (4-6) sind die Veränderungen bereits für manche Außenstehende erkennbar. Eine "Kleinmädchenbrust" ist deutlich zu erkennen, die Fettverteilung hat begonnen sich auf weiblich umzustellen, die Muskeln beginnen abzubauen, ein eventueller Kopfhaarverlust verlangsamt sich, Potenz und Libido gehen zurück.

Nach spätestens einem halben Jahr sollte ein zweiter Hormonstatus erhoben werden. Ist soweit alles in Ordnung sollte mit dem Arzt die weitere Therapie besprochen werden. Möglicherweise kann zu den Östrogenen ein Antitestosteron (10-50 Milligramm Cyproteronacetat wie in Androcur) hinzugefügt oder die Estradioldosis erhöht werden. Eine vollständige Unterdrückung des Testosterons führt zu Antriebslosigkeit und Depressionen.

Es ist natürlich individuell unterschiedlich, aber die Mehrheit durchläuft jetzt eine zweite Pubertät, mit allen Vor- und Nachteilen. Aufgrund der emotionalen Turbulenzen kann die Psychotherapie jetzt besonders wertvoll sein.

Auch sollte man sich sicher sein wie es weiter geht, denn jetzt ist der "point of no return" erreicht.

Nach weiteren Monaten (4-6) sind die Veränderungen kaum mehr zu verbergen, die Brüste zeichnen sich bereits unter dem T-Shirt ab, die Fettverteilung verändert nun auch die Gesichtszüge. Die Muskelreduktion ist vor allem am Oberkörper erkennbar, die Fetteinlagerungen im Hüftbereich und Gesäß. Die Körperbehaarung geht merklich zurück, die Gesichtsbehaarung leider nicht, aber ein eventueller Kopfhaarverlust ist jetzt gestoppt und manchmal wachsen auch Haare, wo gar keine mehr waren. Die Sexualität verändert sich.

Nach einem Jahr Hormonbehandlung ist auch wieder der bereits bekannte Hormonstatus mit anschließender Beratung bei der behandelnden Ärztin fällig. Die weitere Behandlung hängt von vielen Faktoren ab und ist individuell abzustimmen. Allgemeine Aussagen sind nicht möglich.

Nach zwei bis drei Jahren sind die Veränderungen weitestgehend abgeschlossen. Eine weitere Vergrößerung der Brust kann nur mehr operativ erfolgen.

Wer immer noch hohe Dosen zu sich nimmt sollte ab jetzt dringend zu einer niedrigeren Dauermedikation übergehen, die durchaus auch in Form von Depotspritzen verabreicht werden kann.

Insbesondere nach einer genitalanpassenden Operation muss die Hormonbehandlung fortgesetzt werden. Nach der Entfernung der Hoden kann der Körper kaum mehr eigene Sexualhormone produzieren und ohne Hormonzufuhr von außen wird sich zwangsläufig eine Osteoporose ausbilden. Um dem vorzubeugen sollte lebenslang Estradiol eingenommen werden.

Bei Transmännern

Effekte und Verlauf vermännlichender Hormonbehandlung
WirkungEinsetzenMaximale Wirkung
Hautfettigkeit und Akne 1-6 Monate 1-2 Jahre
Gesichts- und
Körperbehaarung
3-6 Monate 3-5 Jahre
Ausfall der Kopfbehaarung > 12 Monate unterschiedlich
Steigende
Muskelmasse und Kraft
6-12 Monate 2-5 Jahre
dosierungsabhängig
Körperfettverteilung 3-6 Monate 2-5 Jahre
Ende der Menstruation 2-6 Monate k.A.
Vergrößerung der Klitoris 3-6 Monate 1-2 Jahre
Vaginalantropie 3-6 Monate 1-2 Jahre
Absinken der Stimme 3-12 Monate 1-2 Jahre

Quelle: WPATH, Standards of Care, Version 7, 2011

Die Verabreichung des Testosterons bei Transmännern ist etwas schwieriger, da die sinnvollste Art der Hormongabe die Injektion ist. Sinnvoll könnte es auch sein, einen Östrogenblocker einzusetzen.

Die ersten deutlichen Änderungen setzen schon relativ schnell ein. Zuerst gibt es vielleicht nur ein paar Pickel, doch bald setzt die Menstruation aus und ehe man es sich versieht ist man nach ein paar Monaten schon im schönsten Stimmbruch, die ersten Barthaare beginnen zu sprießen und die Körperbehaarung nimmt stark zu.

Nach einem Jahr ist die Entwicklung bereits weit fortgeschritten und nach zwei im wesentlichen abgeschlossen. Der Speck auf den Hüften hat sich verringert und Muskelmasse und Kraft haben deutlich zugelegt. Was sich in den nächsten Jahren eventuell noch tut ist ein Testosteron bedingter Haarausfall.

Transmänner sind in der Regel nach ein bis zwei Jahren Hormonbehandlung äußerlich nicht mehr als ehemalige Frauen zu erkennen. Optisch durch den Bartwuchs aber auch akusitsch durch die männliche Stimme. Diese beiden Veränderungen sind, wie auch das Wachstum der Klitoris, irreversibel und werden auch nach einem Absetzen der Testosteronzufuhr bestehen bleiben. Wer damit zufrieden ist, in der Öffentlichkeit als Mann durchzugehen, könnte die Hormonbehandlung absetzen. Die Menstruation wird dann zwar wieder einsetzen aber dafür ist eine drohende Glatzenbildung gestoppt. Muskelmasse und Fettverteilung können auch durch Training und Ernährung geändert werden.

Nach der operativen Entfernung der Eierstöcke stollten lebenslang Hormone genommen werden, da durch den Mangel an Sexualhormonen das Osteoporoserisiko steigt.

Bei einer langfristigen Behandlung mit Testosteron wird oft die Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter empfohlen. Angeblich steigt das Risiko für Eierstockkrebs, entsprechende medizinische Studien gibt es aber nicht. Wie bei jeder langfristigen Medikamenteneinnahme sollte man sich über eine möglichst niedrige Dauermedikation beraten lassen um die Gesundheit nicht unnötig zu gefährden.

Regelmäßige Arztbesuche sind für die Verabreichung der Injektionen ohnehin nötig. Doch auch bei Verwendung von Gels und Pflastern sollte auf eine regelmäßige ärztliche Beratung mit Hormonstatus und Risikoscreening nicht verzichtet werden.

Die hormonelle Therapie mit Testosteron bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen
Berliner Junxz und Gnats, 2003

Endokrinologie (Hormonmedizin)

Es gibt leider zu wenige auf Transsexualität spezialisierte Endokrinologinnen mit Kassenverträgen. Zum Teil kann man jedoch auch auf Gynäkologen und Urologen zurückzugreifen. Grundsätzlich besteht freien Arztwahl. Du kannst daher jeden Arzt Deines Vertrauens konsultieren. Ärzte, die Hormone ohne vorausgehende Untersuchungen (großer Blutstatus, Hormonspiegel, Knochendichtemessung) verschreiben, stellen jedoch ein Gesundheitsrisiko dar.

Die Entwicklung der Hormontherapie hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, ist aber sicher noch nicht ausgereift. In jedem Fall musst Du bereit sein, die Folgen einer falschen Behandlung zu tragen. Verantwortungsbewusste Trans* Leute achten selbst auf die Bekömmlichkeit, senken bei Unbehagen die Dosierung unter das vom Arzt verschriebene Niveau und verlangen regelmäßige ärztliche Untersuchungen.

Die seriöseste (und netteste!) Unterstützung bei Hormontherapien in Wien bietet Dr. Ulrike Kaufmann am AKH:

AKH Wien

Universitätsklinik für Frauenheilkunde

Klin. Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung

Dr. Ulrike Kaufmann

Mail: ulrike.kaufmann@meduniwien.ac.at

Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien

Die Transsexuellen-Ambulanz kann nur mit Voranmeldung in Anspruch genommen werden. Terminvereinbarungen erfolgen telefonisch an der Leitstelle der Ebene 8C, Tel. 40400 DW 2816, am besten Montags oder Mittwochs zwischen 9.00 und 12.00. Wenn eine Blutabnahme vorzunehmen ist, so ist vorzugsweise ein Vormittagstermin zu vereinbaren. Für eine Befundbesprechung ist vorzugsweise ein Nachmittagstermin zu vereinbaren.

Literatur

Die hormonelle Behandlung transsexueller Personen, van Trotsenburg, Cohen und Noe,
Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie, 2004; 1 (3): 171-183

Die hormonelle Therapie mit Testosteron bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen
Berliner Junxz und Gnats, 2003

Endocrine Treatment of Transsexual Persons: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline
Wylie C. Hembree, Peggy Cohen-Kettenis u.a., 2009
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism September 1, 2009 vol. 94 no. 9

Weitere Fachartikel
aus der TransX-Online-Bibliotheke.

 

 

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