Mythen von TransGender-Personen

Geile Transvestiten ...

Transvestiten wird oft pauschal unterstellt, dass sie der Kleidung besondere Bedeutung beimessen und besonders erotisch auftreten. Freilich, alle erotischen Menschen können auf andere erregend wirken. Transvestiten wechseln aber nicht nur die Kleidung sondern auch Teile ihrer Persönlichkeit, und sei es nur für die wenigen Stunden eines Abends in der sie sich in die Rolle einer Diva hüllen. Und diese Transformation ist wohl wesentlich fantastischer und wichtiger als das Anlegen eines Strumpfbandes.

Im falschen Körper geboren ...

Das Bild, dass sich Transsexuelle schon in ihrer Kindheit dem "andern Geschlecht" zugehörig fühlen, ist längst überholt. Bereits 1981 wurde der Anteil der "primärer TS" an den Klienten mit Geschlechtsidentitätsstörungen auf nur 10% bis 25% geschätzt (1). Die meisten Transsexuellen akzeptieren zunächst ihr Geburtsgeschlecht, auch wenn sie nur eine ambivalente Geschlechtsidentität entwickeln können. Eine vollständige Annahme der Geschlechtsidentität erfolgt oft erst infolge der Umstellung ihrer Lebenspraxis.

Im falschen Körper ...

Für viele Menschen ist das Bild der Transsexuellen mit den "Menschen im falschen Körper" verknüpft. Für all jene, die ihre Körperlichkeit nicht mit ihren Geschlechtsorganen gleichsetzen, ist dieser Ausdruck unverständlich. Tatsächlich sind die Körper von Mann und Frau nicht so unterschiedlich, dass sie zu einem Leben in einem Geschlecht zwingen. Unsere Körper sind die Grundlage um - gegebenenfalls nach einigen Anpassungen - jedes Geschlecht verkörpern zu können. Selbst Menschen, die mit einem schweren körperlichen Gebrechen zur Welt gekommen sind, würden kaum behaupten "im falschen Körper" leben zu müssen. Sind es nicht gerade diese "falschen" Körper, die uns die Möglichkeit geben, unseren wunderbaren Weg über die Geschlechtsgrenzen gehen zu können?

Geschlechtswechsel durch Operation ...

Nein, man kann im Operationssaal sein Geschlecht nicht wechseln, sondern nur körperliche Anpassungen von Geschlechtsmerkmalen vornehmen. Auch wenn alte Rechtsordnungen solche Operationen für die juristische Anerkennung des empfundenen Geschlechts verlangten, werden die entscheidenden Aspekt des Geschlechtswechsels davon gar nicht berührt: In welchem Geschlecht fühlst du dich zu Hause? Wie wirkst du auf andere? Wie viele deiner Bekannten kennen dich als "er" oder "sie"?

Geschlecht (Gender) kann nicht "umoperiert" werden. Geschlecht kann nur gelebt und neu gelebt werden. Denn es bildet und bestätigt sich vor allem im sozialen Kontakt.

Für die Umwandlung brauchst du 2 Jahre.

Nun ja, es stimmt, dass die österreichischen Behandlungsempfehlungen für die Zeit zwischen dem ersten Therapeutenbesuch und der ersten genitalanpassenden Operation einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren vorsehen. Darüber hinaus ist die Aussage absoluter Unsinn.

Wenn für dich ein Geschlechtswechsel wichtig ist, dann nimm dir dafür auch Zeit. Die erste Möglichkeit um einen Schritt zu machen ist nicht immer die beste. Gerade während der Transformation erlebst du immer Situationen, aus denen du viel lernen kannst. Sicher mehr als das, was für eine Matura verlangt wird. Gib dir und deiner Umwelt die Zeit um sich auf die neue Situation einzustellen. Oft braucht es nur etwas Geduld, bis du dein neues Geschlecht auch selbstverständlich verkörpern kannst.

Wie lange - das kann ganz unterschiedlich sein.

Wann soll ich operieren?

Gehe nicht operieren, solange du von der Operation erwartest, dass sie dir ein Leben im neuen Geschlecht ermöglicht. Denn das brächte eine bittere Enttäuschung.

Solange du noch vorwiegend im alten Geschlecht lebst, musst du dir nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob und wann du operiert werden möchtest. Wichtig ist, dir sicher zu sein wie du leben willst. Hast du einmal dein Geschlecht im Freundeskreis und im Beruf gewechselt, stellen sich die Perspektiven viel klarer dar.

Mache die Operation niemals für deineN PartnerIn sondern nur für dich selbst! Beziehungen vergehen. Operationsnarben bleiben.

Eine unserer Beraterinnen hat die Frage "wann soll ich operieren?" oft lakonisch beantwortet: "Dann, wenn's nicht mehr anders geht." Eine noch präzisere Einschätzung ist kaum möglich.

Fussnoten

(1)
S. Levine und L. Lothstein (1981), "Transsexualism or the Gender Dysphoria Syndroms", in: Jou. Sex. Martial Theory, 7; S. 85-113. Siehe auch U. Hartmann und H. Becker (2002), "Störungen der Geschlechtsidentität", Springer; S. 61 ff.

 

 

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